„Du bist, was du misst!“ – Was heute für Manche noch wie Zukunftsmusik klingt, ist auf dem besten Weg, unsere Lebenswelt zu verändern. Ein neuartiges Verständnis von Selbstoptimierung zwingt immer mehr Menschen, über den Zustand ihrer Gesundheit nachzudenken. Doch anstatt sie zur autonomen Reflexion auf das eigene Wohlbefinden zu befähigen, wird ihnen eine Fülle neuer Gesundheits-Apps angeboten.

Bereits jetzt bieten die ersten Krankenkassen ihren Versicherten Vergünstigungen, wenn diese ihren Gesundheitszustand per App überwachen. Damit werden neue Standards auf dem Feld der Gesundheit gesetzt. Alle Lebensbereiche wie soziales Umfeld, Arbeitswelt oder Ernährung sind davon betroffen.

Wie in anderen digitalen Aktionsfeldern auch werden von uns Daten erzeugt, die als Unterscheidungskriterien gegenüber Anderen dienen. Nicht beeinflussbare Faktoren wie der genetische Code werden als Bewertungsmaßstab missbraucht. DNA-basierte Singlebörsen oder Firmen, die ihre Mitarbeiter durch Fitnessarmbänder zu mehr Bewegung motivieren wollen, sind das Ergebnis einer Gesellschaft, die den Einzelne dazu anhält, an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit zu gehen. Es wird davon ausgegangen, dass Gesundheit eine individuell optimierbare Größe sei, für die jeder selbst die Verantwortung trage. Die Erhaltung der Gesundheit wird zur Bürgerpflicht. Wer seine Gesundheit vernachlässigt, belastet die Gemeinschaft.

Diese Tendenzen sind gegenläufig zum Solidaritätsprinzip, auf dem unser Gesundheitssystem beruht. Vergessen oder verdrängt wird, dass Krankheiten nur bis zu einem bestimmten Grad durch Eigeninitiative vermieden werden können und vieles außerhalb des persönlichen „Ermessens“ liegt. Können wir diese Entwicklung verantworten? Wir möchten mit unserer Kampagne ein Bewusstsein für diese Problematik schaffen und dem Bürger zur Mündigkeit verhelfen.

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Stephanie Brunner
Ilona Geiger
Jessica Oswald
Stefani Wiatowski